Eine Lektion Improvisation am Nordseestrand
Diesen Sommer bin ich zufälligerweise auf der dänischen Insel Fanø gelandet. Ein wunderschöner Ort und wie ich bei meinem ersten Strandspaziergang bemerkt habe ein Mekka für Kytebuggy-Piloten. Diese sitzen in ihren dreirädrigen Gefährten und flitzen vom Wind getrieben über den kilometerlangen Nordseestrand.
Nachdem ich das Treiben eine Weile beobachtet habe, bin ich entschlossen in das Sportgeschäft am Strand und habe mich nach diesen Sportdrachen erkundigt. Kelvin, der englische Geschäftsinhaber hat mich nach meiner Erfahrung mit Drachen gefragt und ich musste zugeben, dass ich einzig einen kleinen zweileinigen Lenkdrachen besitze, den ich Jahre nicht mehr geflogen bin. Er hat mir seine Auswahl an Powerkytes gezeigt und erklärt wie diese über die vier Leinen zu steuern sind. Sein, soweit ich sehen konnte, einziger Angestellter Jonas hat mich betrachtet und mit einem Blick aus dem Fenster die Windstärke eingeschätzt: Er empfehle mir höchstens drei Quadratmeter Fläche. Das sei eine Herausforderung, die bei diesen Verhältnissen machbar sei.
Wenig später bin ich mit Jonas und meinem erstandenen Drachen an den Strand gefahren. Er müsse sowieso zum Strand und hätte in dieser Zeit noch keine Kunden. Eigentlich arbeite er ja als Techniker am Theater in Kopenhagen, jetzt sei er zu Freunden nach Fanø gekommen und habe kurzentschlossen seine Passion Kytebugging zum Sommerjob als Instruktor gemacht. Jonas hat mit mir konzentriert Leinen geknöpft und Knoten für Knoten kontrolliert, wie wenn an diesen Leinen mein Leben hängen würde. Wir haben den Drachen bereitgelegt, mit Sand beschwert und die Lenkgriffe bereit gelegt.
“Was passiert, wenn ich den Drachen jetzt starte?”, habe ich Jonas gefragt. “It will pull a little”, hat er ruhig geantwortet. Ich spürte den salzigen Wind in meinem Rücken und habe nochmal durchgeatmet.
Kurz nach dem Abheben ist der Zug am stärksten. Jetzt weiss ich, warum diese Drachen “Powerkytes” gennant werden. Die Kraft des Windes zieht mich drei vier Meter quer über den Strand. Dann fliegt der Drachen stabil direkt über mir.
Ich bin fasziniert von diesem kraftvollen Tanz mit dem Wind. Habe unter Jonas Anleitung schnell gelernt wie der Drachen zu steuern ist. Es ist anstrengend. Von Zeit zu Zeit habe ich eine Pause eingelegt. Wir haben uns hingesetzt und gegessen. Ich habe Jonas von Improtheater erzählt er mir von seinen Erlebnissen beim Drachenfliegen und Kytebuggyfahren. Er hat mir erklärt, dass ich versuchen solle den Drachen fast blind zu steuern. Immer zu wissen was passiere, auch wenn ich ihn nicht direkt sehen kann (weil ich zum Beispiel auf andere Buggies achten muss). Immer mit dem Drachen in Kontakt zu bleiben ohne seine ganze Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. “You have to be relaxed but not lazy” hat er diesen Zustand zugesammengefasst genannt.
Ich habe beim Drachenfliegen Impro gelernt: Nehme dein Umfeld und deine Mitspieler ständig und in allen Feinheiten wahr, ohne deine gesamte Aufmerksamkeit auf Einzelheiten zu richten. Sei hochkonzentriert und entspannt. Be relaxed but not lazy.
Am darauf folgenden Tag habe ich mich in einen Buggy gesetzt und habe es selber versucht. Es braucht Übung, Geduld, Ausdauer und Kraft. Nächsten Sommer trifft man mich wieder auf Fanø.







