Wenn ein Kollege aus dem Mund riecht

Gepostet von Frank Renold am 14.02.2010 | Keine Kommentare
Improblog-Themen:

Oder warum die Improbühne der sicherste Platz auf Erden ist.

Nach einem schönen Improtheaterabend bezeichnen mich Zuschauer häufig als mutig. Geschichten, Figuren und einen ganzen Theaterabend ohne Plan zu entwickeln hat viel und gar nichts mit Mut zu tun.

Mut ist: Sich zwischen zwei prügelnde Schotten zu werfen, seiner Frau am Valentinstag zu sagen, dass man sich scheiden lassen will oder all seinen Besitz zu verschenken und alleine eine Weltreise anzutreten. Improspieler tun dies wahrscheinlich genauso selten wie andere Menschen.

In einem geheizten Theater auf der Bühne zu stehen stellt kein Risiko dar. Ich wurde noch nie von einem Zuschauer geschlagen und selten offen kritisiert. Wenn ich auf der Bühne ein Blackout habe, kommt ein Mitspieler zu Hilfe oder ich gehe ab. Ich kenne Improspieler die schon während einer Show zur Toilette gingen, weil sie sich selbst gelangweilt haben. Das Publikum hat getobt! Wenn du verrückt und mutig und direkt bist, liebt dich das Publikum im Theater und verschmäht dich die Gesellschaft.

Auch Kursteilnehmer, die bei mir improvisiertes Theater lernen, äussern oft, dass sie sich in irgendeiner Form erhoffen mutiger zu werden. Manche möchten die Angst verlieren vor Publikum zu sprechen, andere wollen ihren eigenen Geschichten (die sie zu verdrängen glauben) näher kommen. Das ist ein grosses und wichtiges Ziel. Ich liebe mutige Menschen und will selber mutiger werden. Dieses Ziel mit improvisiertem Theater zu erreichen ist ein möglicher Umweg. Wenn er in die richtige Richtung führt wird er zum schönsten Weg, den man je gegangen ist.

Das Vertrauen in sich und die Mitspieler auf der Bühne zum Vertrauen in sich und die Mitmenschen ausserhalb entwickelt sich (oder auch nicht) in jedem Improspieler individuell. Kein Coach, kein Publikum, keine Bühne macht aus dir einen mutigen Menschen. Freu dich an deinen Heldentaten auf der Bühne und sag deinem Arbeitskollegen endlich, dass er aus dem Mund riecht.

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